Forstamt Neu Pudagla

Titel_neupudagla_adolphi.jpgFelix Adolphi

Forstamt Neu Pudagla

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Forstamt Neu Pudagla

Der Amtsbereich des Forstamtes Neu Pudagla umfasst den gesamten deutschen Teil der Insel Usedom.

Geformt wurde Usedom insbesondere durch das weichselspätglaziale Inlandeis sowie durch Wind und Ostseewasser. Während die Gletschervorstöße die isolierten Inselkerne schufen, wurden mittels Schwemmsand, z. T. auch Moorbildungen, die Inselkerne zum harmonischen Ganzen der Insel Usedom verbunden. Mit den Problemen der noch anhaltenden Küstenbewegungen haben sich die Forstleute Usedoms auch heute noch auseinanderzusetzen.
Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge beträgt 492 mm bei einer Jahresmitteltemperatur von 8,5 °C. Bemerkenswert ist, dass die Neigung zu Spät- und Frühfrösten sehr gering ist und die Sonne deutlich mehr als in anderen Regionen des Landes scheint.

Im Juni 2011 eröffnete die UBB (Usedomer Bäderbahn) die Haltestelle "Neu Pudagla / Forstamt". Diese wird nach Sommerfahrplan im Halbstundentakt und nach Winterfahrplan im Stundentakt angefahren. Von ihr aus erreichen Sie Forstamt, Gesteinsgarten und Waldkabinett über einen barrierefreien Weg, in nur ca. 5 Minuten Fußmarsch (ca. 450m).

 

Forstamtsgeschichte

Die Waldentwicklung hängt in ganz entscheidenem Maße mit der geschichtlichen Entwicklung der Inselbevölkerung zusammen. Sicher auch durch die Insellage bedingt, lassen sich die Anfänge einer von Mönchen des Klosters Pudagla durchgeführten Waldwirtschaft bis zum Beginn des 14. Jahrhunderts zurückverfolgen. Im Zuge der Reformation fielen 1554 die klösterlichen Besitzungen an die Wolgaster Linie des vorpommerschen Herzoghauses, das um diese Zeit jagdliches und forstliches Personal einstellte. Die bisher fast 450 Jahre währende Forst- und Jagdverwaltung, erst im Dorf Pudagla, ab 1849 im Ortsteil Neu Pudagla des Seebades Ückeritz, verhinderten durch eine geregelte nachhaltige Forstwirtschaft die Holznot, wie sie im 17. und 18. Jahrhundert in anderen Gegenden Deutschlands weit verbreitet war. Größere Waldrodungen sind erst aus dem 19. Jahrhundert bekannt. Trotzdem zählt die Insel Usedom mit einem Waldanteil von 25 % noch immer zu den waldreichen Gebieten Mecklenburg-Vorpommerns. Die vorherrschenden Baumarten sind Kiefer (60%), Buche (12%) und Erle (7%). In der ansonsten wirtschaftlich schwachen Regionen kommt der touristischen Komponente des Waldes (ca. 1,0 Mio. Urlauber/Jahr) eine erhebliche Bedeutung zu.

So ist auch die Geschichte des Forstamtes Neu Pudagla stark mit der Entwicklung des Fremdenverkehrs verbunden. Den touristischen Grundstein legte 1824 Forstmeister Georg v. Bülow, der mit dem Bau des "Weißen Schlosses" im Wald des heutigen Seebades Heringsdorf der Inselbevölkerung eine völlig neue Erwerbsmöglichkeit erschloss und damit dem Leben auf Usedom eine andere Richtung gab. Selbst bei der Errichtung von Orten, wie Karlshagen, Ahlbeck oder Kölpinsee war das Forstamt durch gezielte Waldverkäufe beteiligt. Die Namensgebung des Seebades Trassenheide ist sogar auf den ehemaligen Förster Trassen zurückzuführen.

Um näher an den preußischen Staatsforsten zu sein, wurde 1848/49 ein neues Forstamtsgebäude am „Herrenweg“, der damaligen Hauptverbindung zwischen dem alten Verwaltungszentrum Pudagla und Ückeritz, errichtet. In Anlehnung an den bisherigen Amtssitz wurde dieser als „Neu Pudagla“ bezeichnet. Das historische Gebäudeensemble, bestehend aus dem Amtsgebäude, einem Stall, einer Scheune und einem Backstubengebäude ist bis heute weitgehend erhalten geblieben. Von der Bundesstraße aus gelangt man über eine alte Kopfsteinpflasterstraße, die von einer malerischen Baumallee besäumt wird, zum Forstamt. Während der Bombenangriffe auf die Heeresversuchsanstalt Peenemünde arbeitete hier u. a. Dr. Helmut Hölzer, der Erfinder des elektronischen Analog-Computers und spätere Direktor im NASA-Raumflugzentrum in Huntsville, Alabama (USA). Mit der Inschrift „Forschen Einzelner verändert das Leben Aller“ erinnert ein Gedenkstein an das Wirken des genialen Wissenschaftlers.

Wie schon 1889, 1911 und 1999, als das Forstamt Treffpunkt des Pommerschen, bzw. Deutschen Forstvereins war, ist das Forstamt auch heute noch ein beliebter Anlaufpunkt für Fachleute aus dem In- und Ausland. So wurden hier in den zurückliegenden Jahren nicht nur Förster und Interessierte aus allen Teilen der Bundesrepublik, sondern auch aus Polen, Schweden, Finnland, Norwegen, Estland, Österreich, Ungarn, den USA, der Schweiz und der Dominikanischen Republik begrüßt. Besondere Anziehungspunkte sind das historische Forstgebäude mit seiner Umgebung, der Usedomer Gesteinsgarten, das Waldkabinett und ein Waldlehrpfad.