Forstliches Versuchswesen

Das Forstliche Versuchswesen wurde 1996 als Abteilung des Landesamtes für Forstplanung gegründet und nahm im Schloss Raben Steinfeld bei Schwerin, dem Sitz der ehemaligen Forstfachhochschule, seine Arbeit auf. Seit dem 1. Januar 2006 arbeiten die Mitarbeiter im Betriebsteil Forstplanung, Versuchswesen, Informationssysteme der Landesforst MV im übertragenen Wirkungskreis des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz. 


Die vorwiegend angewandte Forschung dient der zügigen Umsetzung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die forstliche Praxis. Darüber hinaus werden verschiedene Aufgaben des Umweltmonitorings, die sich aus Programmen des Landes, des Bundes und der Europäischen Union ergeben, in den Wäldern Mecklenburg-Vorpommerns wahrgenommen.

Ansprechpartner für die einzelnen Fachbereiche finden Sie im Organigramm.

Weiterführende Informationen zum Waldschutz in Mecklenburg-Vorpmmern

Waldbau & Waldwachstum

Sachgebiet Waldbau / Waldwachstum

Das Sachgebiet Waldbau / Waldwachstum beschäftigt sich mit waldbaulichen und waldwachstumskundlichen Fragestellungen unter den spezifischen naturräumlichen und wirtschaftlichen Bedingungen Mecklenburg-Vorpommerns. Der Aufgabenbereich gliedert sich im Wesentlichen in zwei große Aufgabengebiete: Weitere Tätigkeitsbereiche bilden die Weiterentwicklung von Forsttechnik, die Weiterbildung des Forstpersonals und die Öffentlichkeitsarbeit.

I. Ein Schwerpunkt bildet die Anlage und Betreuung langfristiger waldwachstumskundlicher und waldbaulicher Versuchs- und Weiserflächen.

Gegenwärtig umfasst das Programm etwa 25 derartiger Versuchsflächen. Die ältesten davon stehen bereits seit 50 Jahren unter wissenschaftlicher Beobachtung. Entsprechend der aktuellen Baumartenverteilung in M-V sind die Kiefer und die Buche anteilmäßig am stärksten vertreten. Darüber hinaus wird aber auch das Wachstum so exotischer Baumarten wie z. B. der Westamerikanischen Hemlockstanne unter den hiesigen Wuchsbedingungen untersucht.  Der Bestand an Versuchsflächen wird kontinuierlich erweitert, damit Erkenntnisse zu neuen Bewirtschaftungsmethoden gewonnen werden können.

II. Den zweiten Themenkomplex stellen Untersuchungen zu aktuellen Fragestellungen im Zusammenhang mit der Umsetzung eines naturnahen Waldbaus sowie neuer ökonomischer und ökologischer Prämissen dar.

Diese Aufgabe resultiert aus den sich stetig ändernden Ansprüchen der Gesellschaft an den Wald und die Forstwirtschaft. Hierdurch entsteht ein Forschungs- und Informationsbedarf, der sich an den neuen Rahmenbedingungen orientiert. Am Leitbild einer naturnahen Forstwirtschaft ausgerichtet, begleiten diese praxisorientierten Untersuchungen neue Wege des Waldbaus und dienen letztlich als eine Entscheidungsgrundlage für aktuelle waldbauliche Richtlinien.

Einen Einblick in die Arbeit zu diesem Themengebiet bekommen Sie hier

Naturwaldforschung

Sachgebiet Naturwaldreservate / Naturwaldforschung

Naturwaldreservate (NWR) dienen dem Schutz und der wissenschaftlichen Beobachtung einer ungestörten Waldentwicklung. Sämtliche Eingriffe (z. B. in Form forstlicher Bewirtschaftung) werden hier vermieden.

Ältere, zum Teil noch heute verwandte Begriffe für Naturwaldreservate in M-V sind „Naturwaldzelle“ oder „Wald-Totalreservat“.

Obwohl einzelne Wälder in Mecklenburg-Vorpommern, wie z. B. die „Heiligen Hallen“ bei Feldberg, bereits seit über 100 Jahren den Status von Wald-Totalreservaten haben, ist die Geschichte der systematischen Erforschung von Naturwäldern wesentlich jünger.

Die Auswahl geeigneter Waldflächen erfolgt heute nach einheitlichen Grundsätzen. Damit wird abgesichert, dass das NWR-Gebietssystem zukünftig alle bedeutenden Naturräume Mecklenburg-Vorpommerns repräsentiert. Neben wichtigen Aufgaben für den Arten- und Biotopschutz erfüllen NWR eine Vielzahl von Funktionen in den Bereichen Bildung und Forschung.

Damit die Naturwaldforschung anwendbare Erkenntnisse für den Waldbau erbringen kann, wird jedem NWR jeweils eine Naturwaldvergleichsfläche (NWV) zugeordnet. Naturwaldreservat und zugehörige Naturwaldvergleichsfläche stellen eine Untersuchungseinheit (NWR/V) dar.

Ein Teil der Forschung in NWR/V wird durch das Sachgebiet realisiert. Weiterführende Untersuchungen, z. B. zur Tier- und Pflanzenwelt von NWR/V, werden koordiniert und dokumentiert.

Weitere Informationen zur Geschichte, Funktionen und Forschungsaufgaben entnehmen Sie bitte unserer .pdf

Publikationen, Berichte, Mitteilungen aus dem Forstlichen Versuchswesen Mecklenburg-Vorpommern  finden Sie unter unseren Fachveröffentlichungen.

Vielfalt und Wild

Sachgebiet Waldgenerhaltung, Waldnaturschutz und Wildschadensmonitoring

In dem Sachgebiet werden wissenschaftliche Projekte und angewandte Forschung zur Dynamik der Tier- und Pflanzenpopulationen des Waldlebensraumes durchgeführt. Schwerpunktmäßig befassen sich diese mit der Vielfalt der Gehölze und dem Einfluss des Wildes auf den Wald.

Die speziellen Themen dienen der Umsetzung von Zielen der Landesforst, die im Rahmen des Leitbildes zur "Naturnahen Forstwirtschaft" festgeschrieben sind.

Auch wird damit fachgesetzlichen Verpflichtungen Rechnung getragen, die sich neben der grundlegenden Waldgesetzgebungz. B. aus dem „Übereinkommen zur biologischen Vielfalt“ und dem „Naturschutzrecht“ ergeben.

Ziel der Arbeiten ist es, zur nachhaltigen Erhaltung des Waldes in seiner Gesamtheit als Ökosystem und Holzlieferant beizutragen.

Wildschadensmonitoring der Landesforst M-V

ecklenburg-Vorpommern bietet mit seinen großflächig unzersiedelten Naturräumen ideale Lebensbedingungen für das Wild. Einerseits stellen die Wildarten einen großen Reichtum in unserer Landschaft dar. Andererseits können jedoch von überhöhten Populationen bestimmter Wildarten Schäden verursacht werden, die mit den Interessen der Land- und Forstwirtschaft nicht vereinbar sind. Genannt seien hier nur der örtlich nicht tolerierbare Wildverbiss an der natürlichen Waldverjüngung (naturnahe Forstwirtschaft), die Schäden an den Feldfrüchten oder auch die Seuchengefahr. Alle Beteiligten, aufzuführen sind hier insbesondere die Jäger und die Landnutzer, einschließlich der Förster, sind sich ihrer Verantwortung zur Abwehr solcher Schäden bewusst. Ohne die Einbeziehung von zusätzlichen objektiven Weisern für den Wildschaden und die Wilddichte ist es jedoch oft problematisch, den Ausgleich zwischen den verschiedenen Interessen zu erreichen. In diesem Kontext soll das Wildschadensmonitoring der Landesforst vorrangig die Umsetzung der waldbaulichen Zielsetzungen der naturnahen Forstwirtschaft unterstützen.

Weiterführende Informationen zu den Verfahren zum Wildschadensmonitoring erhalten Sie hier.

Waldgenerhaltung

Die genetischen Ressourcen der Waldgehölze repräsentieren eine wesentliche Säule der biologischen Vielfalt der Wälder. In der Landesforst werden die Aktivitäten zur Waldgenerhaltung vorrangig in die naturnahe Waldbewirtschaftung integriert. Für seltene oder gefährdete Gehölzarten werden zusätzliche Erhaltungsmaßnahmen konzipiert und durchgeführt. Die Waldgenerhaltung richtet sich auf alle einheimischen Gehölze und auf Baumarten, die im Zusammenhang mit dem prognostizierten Klimawandel eine Bedeutung für die Erhaltung des Waldes haben. Programm Die Landesforst arbeitet seit 1992 programmatisch an der Erfassung, Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der „Forstlichen Genressourcen“.

2003 wurden die zu den Genressourcen durchgeführten Maßnahmen einer Analyse unterzogen und Vorschläge zur weiteren Umsetzung mit einem Landesprogramm zu den Forstlichen Genressourcen unterbreitet.

 Landesprogramm  mit Anlagen  

Projekte, Genetik

In der Anfangsphase des Programms wurde zunächst die Situation der Population der einzelnen Gehölzarten erfasst und dokumentiert sowie erste genetische Untersuchungen (Eiche, Eibe) durchgeführt. Nach der Maßnahmenanalyse wurde verstärkt das Mittel der genetischen Untersuchungen genutzt, um Erhaltungsmaßnahmen für gefährdete Waldgehölze (u. a. Europäische Schwarzpappel, Holzapfel und -birne, Elsbeere) vorzubereiten. Für Herkünfte heimischer Straucharten wird derzeit ein Erhaltungsprogramm initiiert.

Im Zuge der Erforschung von möglichen Folgen der Klimaveränderung werden zunehmend auch spezielle genetische Untersuchungsmethoden genutzt, um insbesondere die natürliche Toleranz der Waldbaumarten gegenüber diesem Phänomen zu ermitteln.

Eine Auswahl der im Rahmen des Programms bearbeiteten Projekte können Sie als .pdf einsehen.

 

Forstliches Umweltmonitoring

Menschliche Einflüsse auf den Wald, wie die historischen landwirtschaftlichen Landnutzungen Ackerbau, Waldweide, Streunutzung und seit Jahrzehnten anhaltender Stoffeintrag aus der Atmosphäre, haben zur Herausbildung eines Störungs- und Regenerationsmosaiks geführt, das das natürliche, häufig vielgestaltige Standorts- und Vegetationsmosaik der Wälder überlagert. Waldökosysteme sind in der Gegenwart überwiegend hoch dynamisch und teilweise sehr labil.

Für forstliche und umweltpolitische Entscheidungen bedarf die Gesellschaft über zuverlässige Informationen über den aktuellen ökologischen Zustand des Waldes und dessen Veränderung im Verlaufe der Zeit. Diese Aufgabe erfüllt das Forstliche Umweltmonitoring. Darüber hinaus leistet das Forstliche Umweltmonitoring Beiträge zur Klärung des Ursachenkomplexes Waldschäden-Umwelt-Nutzungseinflüsse und leitet aus den vorliegenden Daten Maßnahmeempfehlungen für den Schutz und die waldbauliche Behandlung der Wälder ab.

Das Forstliche Umweltmonitoring gewinnt Daten aus verschiedenen, hierarchisch aufgebauten Stichprobennetzen, die sich hinsichtlich der räumlichen und zeitlichen Auflösung sowie im Umfang der Datenerhebung sehr voneinander unterscheiden:

a) Auf der unteren Inventurebene (EU-Level I / flächendeckende National- bzw. Landesinventuren) werden im Raster 8 x 8 km oder 16 x 16 km Daten zur Waldgesundheit in niedriger zeitlicher Auflösung und mit eingeschränktem Parameterumfang erhoben. Auf diesen Erhebungsnetzen mit einer relativ hohen Flächendichte werden die Aufnahmen der Bundesweiten Waldzustandserhebung (WZE), der Bundesweiten Bodenzustandserhebung (BZE), des EU-Level-I-Programms und der Bodendauerbeobachtung-Forst (BDF-F) durchgeführt.

b) Auf der oberen Inventurebene (EU-Level II) werden auf zwei Intensivmessflächen in Mecklenburg-Vorpommern mit hoher zeitlicher Auflösung eine Vielzahl von Umwelt- und Waldzustandskenngrößen gemessen. Ziel ist es, nicht nur die Wirkungen und Schäden auf die Waldökosysteme zu erfassen, sondern ebenfalls deren Ursachenkomplexe.

Das forstliche Umweltmonitoring ist Bestandteil des "International Cooperative Programme on Assessment and Monitoring of Air Pollution Effects on Forests ( ICP-Forests)", welches im Rahmen eines UNECE-Übereinkommens (Genfer Luftreinhaltekonvention) agiert. Daten des Forstlichen Umweltmonitorings aus Mecklenburg-Vorpommern fließen in Bundes- und EU-Auswertungen ein. Die Aufnahmemethoden sind weitestgehend bundes- und europaweit abgestimmt.

Die Teilnahme an den EU-Umweltmonitoringprogrammen (Level-I und Level-II) wird durch die EU kofinanziert. Gegenwärtig werden die Kosten des europaweiten forstlichen Umweltmonitorings mit ca. 50% aus Mitteln des Förderprogramm Life+ über das Förderprojekt "Further Development and Implementation of an EU-level Forest Monitoring System " (FutMon) finanziert. Ziel von FutMon ist es, dass europäische Waldmonitoring in den 24 Teilnehmerländern weiter auszubauen und zu verbessern, um einen Beitrag zum Schutz der Waldökosysteme zu leisten. Genauere zu Informationen zum Europaweitem Waldmonitoring und deren Ergebnisse erhalten sie unter www.futmon.org!

Weitere Publikationen entnehmen Sie bitte unseren Fachveröffentlichungen.

Bodenzustand

Bodendauerbeobachtung

Das Sachgebiet Bodendauerbeobachtung stellt flächenrepräsentative Daten über den Zustand der Waldböden zur Verfügung. Zu diesem Zweck werden landesweit zwei Aufnahmenetze betrieben.

Das Aufnahmenetz der Bodendauerbeobachtungsflächen-Forst (ehemalig ÖWK) besteht aus 57 Flächen, wurde im Zeitraum 1986-89 eingerichtet und seitdem kontinuierlich aufgenommen. Die Bodenzustandentwicklung dieser Flächen ist mit zwei Wiederholungen (1991-95, 1999-2000) gut dokumentiert. Ergänzt werden die Boden- durch Nadel-/Blattanalysenuntersuchungen. Jährliche Kronenzustandsansprachen gestatten es darüber hinaus, die Folgen beobachteter Boden- und Ernährungszustände für die Waldvitalität abzuschätzen.

Neben den Bodendauerbeobachtungsflächen-Forst existiert das Aufnahmenetz der Bundesweiten Bodenzustandserhebung im Wald (BZE), das aus 76 Flächen besteht, und im Jahre 1992 erstmalig aufgenommen wurde. Die Außenaufnahmen und die Laboranalysen der ersten Wiederholungsaufnahme – der BZE II – wurden in den Jahren 2005-2007 in Mecklenburg-Vorpommern realisiert. Aus Kostengründen fand die Erhebung an einer selektierten Unterstichprobe des BZE-Netzes statt. Die Auswertungen zur BZE II wurden in Heft 9/2011 der Schriftenreihe „Mitteilungen aus dem Forstlichen Versuchswesen Mecklenburg-Vorpommern“ veröffentlicht.

Ferner beteiligte sich das Land Mecklenburg-Vorpommern in den Jahren 2005/06 an dem kofinanzierten EU-Demonstrationsprojekt – Biosoil. Es dient dem Aufbau eines zukünftigen, europaweit einheitlichen Waldboden- und Biodiversitätsmonitorings. In erster Linie sollen durch Biosoil zweckmäßige Aufnahmemethodiken und geeignete Auswertungsmethoden auf EU-Ebene geschaffen werden.