Hutewald und Waldmast 

Überall dort, wo in früheren Zeiten Bauern sesshaft waren und Eichenwälder wuchsen, wurden Schweine mit Eicheln gemästet.
Nach Grimm (1885) ist „Mast" ein uraltes niederdeutsches Wort für alles Futter, von früher her eingeschränkt auf die als Speise dienende Baumfrucht, später als Sammelwort enger bezogen auf die Frucht der Eiche, Buche und Kastanie, aber vor allem auf Eicheln, wie sie den Schweinen zum Futter dienten.
Die in den Wäldern gemästeten Schweine spielten vom frühen Mittelalter bis in die Neuzeit für die Fleischversorgung der Bevölkerung eine bedeutende Rolle. Ausdruck dieser Bedeutung ist der Umstand, dass in Westeuropa in den hinter uns liegenden Jahrhunderten 61 katholische Heilige auf irgendeine Weise in Beziehung zu der Schweinezucht gestanden haben. So soll es in Deutschland mehr als 560 Orte geben, an denen allein der heilige Sankt Antonius als Beschirmer der Schweine verehrt wird.
Um eine übertriebene Nutzung der Waldbestände zu vermeiden, regelten zahlreiche Rechtsordnungen die Schweinemast im Walde. So wurde in der Dorf-Ordnung von Rotenschwil (1691) bestimmt, dass die Schweine erst am Ende des Herbstes auf den Allmenden zugelassen werden konnten, damit sie den Abriss und den Nachriss der Eicheln aufweiden konnten. Man unterschied damals dreierlei Nutzungsrechte des Eichelabfalls:
Dem Anriss als Anrecht auf geschüttelte Früchte eines Baumes, dem Abriss als Anrecht freiwilligen Abfall der Früchte und dem Nassriss als dem letzten im Spätherbst erfolgenden Eichelfall.
Vielfach war das sogenannte Eichelschwingen, das Herunterschlagen der Eicheln mit Knüppeln, strikt verboten, um Schäden in den Baumkronen und den Abfall unreifer Eicheln zu vermeiden. Die Mastmöglichkeiten wurden jedes Jahr in den Wäldern genau taxiert und die Anzahl der Schweine für die Mast festgelegt.
Für die damaligen Grundbesitzer war die Verpachtung der Mastrechte ein lukratives, wenn auch ein sehr schwankendes Geschäft. Nur in ungefähr 60 von 100 Jahren war die Waldmast ertragreich, da sie ganz von den Witterungsverhältnissen abhängig war. In manchen Jahren war der Ertrag kaum nennenswert, in anderen dagegen übertraf er den Erlös vom verkauften Holz um das Drei- oder Vierfache.
Am Ende des 18. und im Anfang des 19. Jahrhunderts verliert die Eichelmast und damit die Bevorzugung der Eiche als Mastbaum an Bedeutung, weil durch verbesserte Dreifelderwirtschaft, besonders aber durch den sich rasch ausbreitenden Anbau der Kartoffel, die Schweinezucht auf eine rein landwirtschaftliche Futtergrundlage gestellt wird.
Nach Jahrzehnten der Stallhaltung von Schweinen ist nicht nur der Schweinehirte aus dem Landleben verschwunden, sondern auch das Wissen über eine lange Zeit prägende historische Waldnutzungsform.
Mit dieser Gatteranlage demonstriert die Landesforst Mecklenburg-Vorpommern das Bild von einem Waldkulturerbe welches schon vielfach in Vergessenheit geraten ist.

Quellen: Bilder aus der Geschichte der Schweinezucht im Walde, C.L.ten Cate, Wageningen, Centre for Agricultural Publishing and Documentation

 
Hutewald
Hutewald
Waldmast