Schaugatter 

„Unter Eichen wachsen die besten Schinken"

diesem Sprichwort konnten alte und erfahrene Metzger nur zustimmen. Wussten sie doch, dass Schweine, die in Wäldern herumlaufen und mit Eicheln gemästet wurden eine vollendete Delikatesse abgaben.
Der niederländische Dodonaeus, der spätere Leibarzt des deutschen Kaisers, schrieb 1554 in seinem Cruydt-Boeck, dass mit Eicheln gemästete Schweine ein festes und steifes oder hartes und keineswegs wässriges Fleisch erhalten.
Dass Eichelmast einen sehr festen Speck von ausgezeichneter Qualität ergibt, bestätigt auch Albert Thaer (1812).
Noch heute bezahlen Feinschmecker ein beachtliches Sümmchen für den berühmten aus Eichelmast hervorgehenden Iberischen Pata Negra Schinken.
Auch den Ivenacker Turopolje-Schweinen stehen Eicheln fast jedes Jahr als erstklassiges Nahrungsmittel zur Verfügung. Der Erstbesatz dieser Gatteranlage erfolgte am 15. September 2011 mit einer Sau und 7 Ferkeln. Die Ferkel wurden am 13.August 2011 im Haustierpark Lelkendorf geboren.
Turopolje-Schweine zählen zu den besonders bedrohten alten Haustierrassen und haben ihren Ursprung in den kroatischen Save-Auen. Etwa 250 Jahre lang beweideten Turopolje-Schweine die Flussniederungen. Sie wurden in Auwälder und Uferwiesen getrieben, wo sie den Boden durchwühlen und als gute Schwimmer auch Wasserpflanzen abweiden und Muscheln knacken. Turopolje-Schweine gelten als besonders umgänglich und lassen sich kaum aus der Ruhe bringen. Sie eignen sich besonders gut für die Waldmast, sind sehr robust und kommen mit geringen Futtermengen aus. Das Fleisch eignet sich besonders für die Schinken- und Salamiproduktion. Die Sau ferkelt im Schnitt 3 Mal in zwei Jahren. Ein Wurf besteht meist aus 6 Ferkeln. In der Mast nehmen die Schweine pro 100 kg aufgenommenes Futter etwa 20 kg zu. Ein schlachtreifes Schwein wiegt ca. 250 kg und die Dicke des festen Specks kann bis 15 cm betragen.
Fast alle Turopolje-Schweine in Deutschland gehen auf nur 2 Zuchtpaare zurück , die während der Kriegshandlungen in Ex-Jugoslawien 1992 aus dem Niemandsland zwischen den Frontlinien der Kroatischen Armee auf der einen Seite des Flusses Save und den Serben auf der anderen Seite herausgeholt und nach Wien gerettet wurden. Als "lebende Genreserve" haben Turopolje-Schweine unter den Eichen im Ivenacker Tiergarten ein artgerechtes Refugium gefunden.

Quellen: Bilder aus der Geschichte der Schweinezucht im Walde, C.L.ten Cate, Wageningen, Centre for Agricultural Publishing and Documentation

 
Mastbaum
Turopolje-Schweine