Wald im Burnout – Klimaschutz durch Waldumbau und Bewirtschaftung

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69. Tagung des DFWR
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Nr.079/2019  | 09.04.2019  | Wald-MV  | Wald M-V

„Wir können schon jetzt absehen, dass das Ökosystem Wald die wandelnden Rahmenbedingungen, insbesondere den Klimawandel, nur schwer verkraftet“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Forstminister Dr. Till Backhaus heute auf der Jahrestagung des Deutschen Forstwirtschaftsrat in Warnemünde. Thema der Veranstaltung war in diesem Jahr „Wald im Burnout“.

Experten sind sich einig: Die Temperatur wird weiter steigen und es wird trockenere Sommer und feuchtere Winter geben. „Das geht auch nicht spurlos an unseren Wäldern vorbei“, so Backhaus. Das letzte Jahr hat gezeigt, wie stark die Witterungsextreme sind und vor welche Herausforderungen es die Wälder stellt. „Von Windwurfschäden, über Schneebruch, Überflutungen bis zur Dürre und Waldbränden war alles dabei“, sagte Dr. Backhaus. Dürreschäden in den jungen Aufforstungen, ein verschlechterter allgemeiner Waldzustand, geringerer Holzzuwachs sowie die Zunahme von Schädlingen sind die Folge.

„Wir bereiten uns auf die Veränderungen vor und arbeiten daran, dass unsere Wälder vielfältiger werden. Die Laubbäume sind auf dem Vormarsch!“, bekräftigte der Minister. 2010 wurde ein Maßnahmenkonzept zur Anpassung der Wälder an den Klimawandel erarbeitet. Vordringliche Ziele sind demnach die Verbesserung der Stabilität und der Anpassungsfähigkeit der Wälder. So soll der Wald in standortgerechte Mischwaldbestände umgebaut werden.

Seit über 20 Jahren werden jährlich 4 Mio. Euro auf durchschnittlich 800 ha investiert. Der Anteil an Laub­bäumen stieg in den letzten 10 Jahren um mehr als 3 Prozent. Nahezu drei Viertel aller Wälder Mecklenburg-Vorpommerns sind heute Mischwälder, in denen Laubbaumarten zumindest beteiligt sind. Insbesondere durch vermehrte Verjüngung der Wälder unterm Schirm der Altbestände ging die Fläche strukturarmer Bestände auf aktuell 40 Prozent zurück.

Neben der Verbesserung der Stabilität und Vitalität der Wälder ist die Erhaltung der biologischen Vielfalt der Lebensräume erforderlich. Beide Strategien helfen, den Risiken des Klimawandels gegenzusteuern. Ein Hauptproblem für die Waldnatur in Mecklenburg-Vorpommern stellt die Zerschneidung und Verinselung der Waldgebiete dar. Immerhin verteilt sich die Waldfläche hier im Land auf rund 22.000 Waldinseln. In diesem Zusammenhang gibt es ein gefördertes Schutz- und Forschungsprojekt zur „Verbesserung der Lebensraumsituation für Insekten in den Wäldern“. „Das ist das erste große Umsetzungsprojekt zum Insektenschutz im Wald“, erklärte der Minister.

Die Aufforstung wiedervernässter Moore trägt am besten zur Minderung klimaschädlicher Treibhausgase bei. „Unser Ziel ist deshalb, 10.000 wiedervernässter Moore aufzuforsten“, betonte Minister Dr. Backhaus.

„Die nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes und die Verwendung von Holzprodukten leisten derzeit einen größeren Beitrag zum Klimaschutz als die Vorratsanreicherung im Wald selbst. Ein wichtiges klimapolitisches Ziel muss es sein, sowohl die Produktivität der Wälder und ihre nachhaltige Bewirtschaftung dauerhaft zu erhalten und zu fördern, als auch den Klimaschutzbeitrag durch Verwendung von Holz zu optimieren“, sagte Backhaus abschließend.