Die "Gewinner" des Klimawandels – Schadfaktoren im Wald

Der Buchdrucker befällt massenhaft die geschwächten Fichtenbestände Details anzeigen
Der Buchdrucker befällt massenhaft die geschwächten Fichtenbestände
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Nr.2020/06-4  | 30.06.2020  | Wald-MV  | Wald M-V

Geringe Niederschläge, hohe Temperaturen und Spätfröste. Witterungsextreme, die einem Wüstenklima gleichen, fördern viele abiotische und biotische Schäden in den Wäldern Mecklenburg-Vorpommerns. Schaderreger neigen unter diesen Bedingungen zur Massenvermehrung: Sie sind die Gewinner des Klimawandels.

Der Borkenkäfer ist wohl der prominenteste Forstschädling in Deutschland, doch bei weitem nicht der Einzige. Die Landesforstanstalt weist darauf hin, dass die anhaltende Dürre eine Vielzahl von Schädlingen begünstigt, von den mittlerweile bekannten Borkenkäfern bis zu weniger geläufigen Arten wie der Sitkafichtenröhrenlaus. Der Grund: Das dritte Dürrejahr in Folge! Mit rund 70 l/m² ist Mecklenburg-Vorpommern nach Sachsen-Anhalt das Bundesland mit den geringsten Niederschlägen im Frühjahr 2020. Im Mai sind lediglich 43 % des Normalniederschlags für diesen Monat gefallen. Der Wald leitet unter Wassermangel, die Bäume sind geschwächt und die Abwehrkräfte gegen Schaderreger sinken. Allein 2019 wurde über 600.000 Festmeter Schadholz verzeichnet.

Neben dem Borkenkäfer befällt auch die Sitkafichtenröhrenlaus die Sitkafichten in den Gebieten der Küstenforstämter und sorgt für massive Entnadelung bis hin zum Absterben.

Doch auch bisher in M-V kaum vorkommende Schadfaktoren, wie der Befall durch Eichenprozessionsspinner und die Rußrindenkrankheit beim Ahorn, nehmen zu.

Die Dürre führt auch zu weiteren Schäden im Wald. Nicht nur die Waldbrandgefahr steigt – für die Pflanzungen des Jahres 2019 sind höhere Ausfälle aufgrund des Wassermangels zu erwarten. 2018 wurden 1.400 ha Kulturen und Jungwuchs geschädigt. Auch die Buchenvitalitätsschwäche ist Folge der Trockenheit. Ein Anblick wie im Herbstwald bietet sich örtlich bereits Mitte Juni: Stark geschwächte Buchen haben nur noch kleine Blätter und werfen diese zur Regulierung des Wasserhaushaltes ab oder wiesen bereits im Frühjahr nur einen reduzierten Laubaustrieb auf. Rund 3.400 ha geschädigte Fläche sind 2019 gemeldet worden. Die Symptome reichen von Veränderungen im Kronendach bis hin zum Absterben der Bäume. Sollten sich die Niederschlagsdefizite in den kommenden Sommermonaten fortsetzen, ist damit zu rechnen, dass sich viele dieser Buchen nicht erholen werden und weitere Schadflächen hinzukommen.

Das Versuchswesen der Landesforst MV führt die Waldschutzmeldestelle und wertet die Daten in Hinblick auf die Waldschutzsituation aus. Der Zustand der Wälder in Mecklenburg-Vorpommern ist kritisch und eine vorausschauende Behandlung notwendig. Der Vorstand der Landesforstanstalt, Herr Baum, hierzu: "Die Auswirkungen der Witterungsextreme bestätigen die Strategien des Landes, den Waldumbau zu beschleunigen und die Wälder naturnah zu bewirtschaften. Stabile Waldökosysteme sind die Grundlage funktionsfähiger Wälder."

Die Landesforst MV weist alle Waldbesitzer/ -innen darauf hin, verstärkt Waldschutzkontrollen und notwendige Maßnahmen zeitnah durchzuführen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Forstämter beraten auch zu Fördermöglichkeiten im Zusammenhang mit der Eindämmung der Waldschäden und der Durchführung eines ökologischen Waldbaus.

Alle Waldbesucher werden darauf hingewiesen, dass in den Wäldern verstärkt absterbende Bäume und Totäste zu beachten sind. Denn abgestorbene Bäume bergen durch herabstürzende Trockenäste oder ganze Kronenteile, sowie durch das Umstürzen des gesamten Baumes eine Vielzahl von gefahren.