Waldbrandschutzprojekt THOR

FNR-Foerderprojekt THOR
Forschung

Waldbrandschutzprojekt THOR

Vorbeugender Waldbrandschutz, Waldbrandnachsorge und Wissenstransfer in der praktischen Anwendung

Waldbrandschutz in der Praxis

Aufgrund der Auswirkungen des veränderten Klimas, der vielfältig strapazierten Wälder, des demografischen Wandels sowie des technischen Fortschritts ist eine aktuelle Betrachtung des Waldbrandschutzes erforderlich. Der Waldbrandschutz lässt sich dabei in die Bereiche Waldbrandprävention, Waldbrandbekämpfung und Waldbrandnachsorge unterteilen.

Im Rahmen des Waldbrandschutzprojekts THOR war das vorrangige Projektziel des Teilvorhabens 1, das im Forstamt Kaliß angesiedelt war, die Entwicklung von Präventions- und Nachsorgestrategien zum Schutz der Wälder vor Bränden. Zu diesem Zweck wurden verschiedene Waldbrandschutzmaßnahmen praktisch erprobt, um so fundierte Handlungsempfehlungen für die Forstpraxis ableiten und in Form von Leitfäden aufbereiten zu können.

Waldbrandriegel_Wundstreifen

Waldbauliche Waldbrandprävention

Anpassungen von Wäldern im Sinne der Waldbrandprävention haben vordergründig die Reduzierung des leicht brennbaren Materials und der Ausbreitungsgeschwindigkeit von potenziellen Bränden als Zielsetzung. Gleichzeitig dienen waldbauliche Maßnahmen dem Zweck, die Brandbekämpfung durch die Feuerwehr zu erleichtern, zum Beispiel indem diese Strukturen als potenzielle Verteidigungslinien fungieren.

Die Ausgestaltungen der Waldbrandschutzflächen sind von Faktoren wie dem Ausgangsbestand (Alter, Baumart), dem Standort und dem Schutzgut abhängig. Die Ausrichtung, Kombination und Reihenfolge der Schutzelemente richtet sich dabei nach dem Schutzgut: Wald, menschliche Infrastruktur oder andere sensible Flächen (Naturschutz, Kampfmittelbelastung). Geeignete Elemente des vorbeugenden Waldbrandschutzes sind Wundstreifen und Schutzstreifen, die in Kombination auch zu Waldbrandriegeln oder Waldbrandriegelsystemen aufgebaut werden können.

Wo der Waldumbau durch standörtliche Faktoren derzeit nicht oder nur sehr langfristig möglich ist, können diese Schutzelemente die Ausbreitung von Bränden in Wäldern mit hoher Brandgefährdung verhindern.

Löschwassersektor_2025

Technische Waldbrandprävention

Eine effektive Waldbrandbekämpfung setzt eine gesicherte Löschwasser- und Wegeinfrastruktur im Wald voraus. Waldbewirtschaftende und -verantwortliche sind in der Pflicht, dafür geeignete Voraussetzungen zu schaffen. Dieser Leitfaden beleuchtet zentrale Elemente der technischen Waldbrandprävention:

  • die Infrastrukturplanung für eine bedarfsorientierte räumliche Verteilung von Wegen und Löschwasserentnahmestellen
  • den Wege(aus)bau für ausreichende Befahrbarkeit, gesicherten Löschwassertransport und die Erreichbarkeit potenzieller Brandflächen
  • Löschwasserentnahmestellen (LWES) für langfristige und ausreichende Löschwasservorräte im Wald

Sind diese Faktoren erfüllt, ermöglichen sie einen schnellen und reibungslosen Erstangriff zur Eindämmung potenzieller Waldbrände. Ziel der im Leitfaden beschriebenen Maßnahmen ist es, bestehende Lücken zügig zu schließen, wobei aktuelle technische Standards der Feuerwehren ebenso berücksichtigt werden wie topografische und naturschutzfachliche Besonderheiten.

Waldbrandnachsorge

Waldbrandnachsorge

Das Themenfeld der Waldbrandnachsorge wird in den rechtlichen Grundlagen und Waldbrandschutzkonzepten der Länder bislang kaum berücksichtigt. Oft kennen die Verantwortlichen ihre Pflichten nicht, während Strukturwandel im Eigentumsrecht, demografischer Wandel und zunehmende Urbanisierung die Waldbrandnachsorge zusätzlich erschweren.

Der Leitfaden Waldbrandnachsorge bietet einen bundesweiten Überblick über rechtliche Verpflichtungen und enthält im Projekt THOR erarbeitete Entwürfe für einheitliche rechtliche Grundlagen. Wichtige Hinweise zur Waldbrandnachsorge werden übersichtlich dargestellt, ergänzt durch organisatorische Empfehlungen und einen besonderen Fokus auf den Schutz der Arbeitnehmenden, da diese Maßnahmen über den üblichen Arbeits- und Versicherungsschutz hinausgehen.

Der Leitfaden zeigt zudem auf, wie innovative Löschwassersysteme und Überwachungsinstrumente auch bei begrenzten personellen und technischen Ressourcen effektiv eingesetzt werden können. Für munitionsbelastete Flächen gelten besondere Regelungen, bei denen Nachsorgemaßnahmen ausschließlich unter Einhaltung festgelegter Sicherheitsabstände in Randbereichen zulässig sind.

Geschützte_Forsttechnik_Arsenal

Prävention bei Kampfmittelbelastung

Die Munitionsbelastung in Wäldern stellt deutschlandweit ein großes Problem dar. Neben der potenziellen Gefahr für Leib und Leben beeinflussen Kampfmittel – je nach Landesrecht und Gefährdungseinschätzung – auch die forstwirtschaftliche Nutzung. Da die Landesforstanstalt Mecklenburg-Vorpommern 2019 für stark munitionsbelastete eigene Flächen ein Bewirtschaftungsverbot ausgesprochen hat, kann sich dort Totholz weiter anreichern. Abgestorbene Biomasse erhöht je nach Menge die Ausbreitung und Intensität von Waldbränden, insbesondere in ohnehin gefährdeten Kiefernforsten. Es bedarf daher sinnvoller Strategien zum Umgang mit kampfmittelbelasteten Wäldern im Kontext des Waldbrandschutzes.

Im Projekt THOR wurde der Einsatz geschützter Forsttechnik in der Modellregion untersucht und ein forstlicher Eingriff auf stark munitionsbelasteten Flächen durchgeführt. Durch die Reduzierung der Brandlast und die gleichzeitige Förderung von Laubholz konnte die Waldbrandgefährdung deutlich gesenkt werden. Ziel war es, Waldbrandschutzmaßnahmen mit reduziertem Arbeitsrisiko umzusetzen und deren Replizierbarkeit sowie Wirtschaftlichkeit zu prüfen.

Kontrollierter_Feuereinsatz

Kontrollierter Feuereinsatz

Im Rahmen der Bewertung präventiver Waldbrandschutzmaßnahmen untersucht THOR auch den kontrollierten Feuereinsatz. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob die Technik des „kontrollierten Brennens“ hinsichtlich Kosten-Nutzen-Analysen von Umweltschäden und Emissionen, rechtlichen Rahmenbedingungen sowie der Akzeptanz in der Bevölkerung als geeignete Waldbrandschutzmaßnahme betrachtet werden kann.

Eine von THOR in Auftrag gegebene Studie soll im Wesentlichen der Beantwortung dieser Fragestellungen dienen. Bei der Vergabe des Gutachtens standen die langjährige Erfahrung der Fachkundigen für kontrollierten Feuereinsatz sowie die Verknüpfung von praktischem und theoretischem Wissen im Vordergrund.

Die Erkenntnisse aus der umfangreichen Studie werden von THOR in Form eines Erfahrungsberichts aufbereitet und veröffentlicht.

15-waldbrandschutz

14. Bildungsbaustein MV - Waldbrandschutz (er)leben

Mehr als 95 % der Waldbrände in Deutschland werden durch menschliches Handeln, insbesondere durch vorsätzliche oder fahrlässige Brandstiftung, verursacht.

Ein zentraler Aspekt der Waldbrandprävention sollte daher die verstärkte Sensibilisierung der Öffentlichkeit durch frühzeitige Bildungs- und Aufklärungskampagnen sein. Besonders wichtig ist es, bereits Kinder über die Ursachen und Auswirkungen von Waldbränden aufzuklären.

Der im Rahmen von THOR entwickelte Bildungsbaustein "Waldbrandschutz - leben und erleben" bietet spannende Inhalte für den Unterricht, die Umweltbildung oder Projektarbeit – altersgerecht, praxisnah und direkt aus dem Waldalltag – für Kinder der dritten und vierten Klassen.

Die Kinder können sich so spielerisch mit folgenden Fragen beschäftigen: 


  • Wie entsteht ein Waldbrand? 
  • Wie kann man ihn verhindern? 
  • Was passiert im Ernstfall und wie sollte man sich dabei verhalten?

Infos & Downloads

Eine wesentliche Säule der Forschungsarbeit von THOR ist der Wissenstransfer. Dieser hat zum Ziel, vorhandenes Wissen zu erfassen, Wissenslücken zu identifizieren und neue Ansätze zu evaluieren. Neben der Aufbereitung von Fachliteratur in Form von Leitfäden obliegt es THOR auch, durch waldpädagogische Informationsunterlagen sowie die Durchführung und Teilnahme an Veranstaltungen über Waldbrandschutz aufzuklären. Diese Aktionen und Materialien richten sich sowohl an das Fachpublikum als auch an eine breite Öffentlichkeit. Die zielgruppenorientierten Wissenssammlungen können nachfolgend jeweils als PDF heruntergeladen werden

Schulungszwecke

Waldbrandriegel und Löschwassersektor

Der Waldbrandriegel THOR wurde von 2020 bis 2025 im Forstamt Kaliß aufgebaut und steht auch nach Projektende für Schulungen von Forst und Feuerwehr zur Verfügung. Er umfasst Wund- und Schutzstreifen, einen ausgebauten Waldbrandschutzweg mit Ausweichen sowie einen modellhaften Löschwassersektor. Der Waldbrandriegel ermöglicht es, verschiedene waldbauliche Ausgestaltungen von Schutzstreifen praxisnah zu betrachten und Anregungen für eigene Maßnahmen zu gewinnen.

Das FNR-Förderprojekt THOR

Das Verbundvorhaben THOR „Erarbeitung, Optimierung und Umsetzung von Präventions- und Nachsorgestrategien zum Schutz der Wälder gegen Waldbrände sowie zielgruppenspezifischer Wissenstransfer für eine praxisbezogene Umsetzung“ besteht aus zwei Teilprojekten, die bei der Landesforst Mecklenburg-Vorpommern und an der TU Dresden bearbeitet werden. Gefördert wird das Vorhaben vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz über den Waldklimafonds bei der FNR (Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.) über den Zeitraum von fünf Jahren (1. Mai 2020 bis 31. Dezember 2025). Zum FNR-Projektverzeichnis THOR

Das Teilvorhaben 1 „Vorbeugender Waldbrandschutz, Waldbrandnachsorge und Wissenstransfer in der praktischen Anwendung“ wird am Forstamt Kaliß umgesetzt und gliedert sich in fünf Arbeitspakete:



  • Waldbrandprävention
  • Waldbrandnachsorge
  • Waldbrandschutz auf munitionsbelasteten Waldflächen
  • Kontrolliertes Feuereinsatz für Natur- und Landschaftsschutzzwecke

  • Wissenstransfer



Der Wissensstand zur Waldbrandprävention und Waldbrandnachsorge ist oft veraltet oder bereits verschwunden. Die Sicherung und Bündelung des vorhandenen Wissens werden im Projekt durchgeführt. Ein bundesweiter Vergleich aller bisherigen Maßnahmen, Regelungen, Instrumente und Programme zur Vorbeugung und Nachsorge bei Waldbränden wird erfolgen. Die gesammelten Erkenntnisse werden auf heutige und zukünftige Praxistauglichkeit geprüft und anschließend als Leitfäden zielgruppenspezifisch aufbereitet. Aufgrund der teilweise stark munitionsbelasteten Waldflächen in Mecklenburg-Vorpommern soll der Einfluss von Munition auf Waldbrände mit der Einbindung von Spezialisten dieses Themenbereichs analysiert werden. Für bundesweit verfügbare Maschinen, die unter den Begriff „geschützte Forsttechnik“ fallen, werden Einsatzmöglichkeiten am Forstamt Kaliß im Projektzentrum für Waldbrandschutz erprobt. Für alle weiteren waldbrandgefährdeten Flächen werden ebenfalls neue Optionen zum Waldbrandschutz betrachtet. Das kontrollierte Brennen ist als Verfahren für Natur- und Waldbrandschutzzwecke zu nennen. Eine Studie soll die künftige Anwendbarkeit dieses Verfahrens in Deutschland kritisch hinterfragen und auf Grundlage von messbaren Werten beurteilen.
Da Waldbrände zu 95% durch menschliches Handeln verursacht werden, ist die Sensibilisierung der Öffentlichkeit dringend erforderlich. Durch gezielte waldpädagogische Angebote, Schulungsmaterialien und Nutzung verschiedener zeitgemäßer Medien wird dieses Ziel erreichbar.
Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt bei der Einbindung aller relevanten Akteure (Forstwirtschaft, Feuerwehr, Katastrophenschutz, Munitionsbergungsdienst, Naturschutz und viele andere) in das Projektgeschehen. Ohne die Verzahnung und Kommunikation aller Beteiligten ist ein effektiver Waldbrandschutz nur erschwert umsetzbar. Unten finden Sie die Telefonnummer und Emailadresse des THOR-Büros im Forstamt Kaliß sowie die der direkten Ansprechpartner bzw. Projektbearbeiter für das Teilvorhaben 1!

Die Koordination des Verbundprojekts liegt bei Frau Dr. Ursula Rüping (Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern). Das Teilvorhaben 2 wird am Institut für Waldbau und Waldschutz an der TU Dresden bearbeitet. Die Leitung übernimmt Herr Prof. Dr. Micheal Müller.

Förderung: Das Projekt wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) über den Waldklimafonds bei der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) gefördert.

Förderkennzeichen: 2219WK58A2

Kooperationspartner: Technische Universität Dresden

Förderkennzeichen: 2219WK58B2 Laufzeit: 01.05.2020 bis 30.04.2025

Modellregion Griese Gegend

Die Ansätze wurden in der Modellregion Griese Gegend praktisch erprobt, in der sich das Forstamt Kaliß befindet. Als eines der wenigen Forstämter Mecklenburg-Vorpommerns gelten dort alle Reviere als Waldbrandrisikogebiet A (hohes Risiko). Der Baumartenanteil ist auf den nährstoffarmen, sandigen und trockenen Böden durch einen Anteil von 90 % Waldkiefer (Pinus sylvestris) gekennzeichnet. Die Waldbrandgefährdung wird zusätzlich durch einen geringen Jahresniederschlag sowie durch die vielerorts hohe Kampfmittelbelastung verstärkt.

Kontakt

Landesforstanstalt Mecklenburg‑Vorpommern
Forstamt Kaliß
Karl-Marx-Straße 20
19294 Kaliß
Telefon: 038758 / 368 - 0
Telefax: 03994 / 235 - 431