Aufforsten fürs Klima

Der Frühling ist da - und mit ihm die Zeit der frischen Knospen, des hellen Grüns und von neuem Leben. Vor allem im Wald kann man sich an dieser Jahreszeit besonders erfreuen.
Doch neuer Wald entsteht nicht nur wie von Zauberhand durch Naturverjüngung.
Bei der Begründung von neuem Wald und somit wichtiger CO2-Speicher und Lebensraum spielen auch alle Forstschaffenden eine wichtige Rolle.
Um Mutter Natur etwas nachzuhelfen jede geeignete Fläche auch wirklich zu Wald werden zu lassen oder um neue Baumarten einzubringen und die Zukunft der Fläche in eine andere Richtung zu lenken, erfolgt die Pflanzung oder Saat.

Wo, wie, wann und was gepflanzt werden soll, wird im Vorfeld eingehend durch die zuständigen Förster*innen und das Forstamt geprüft und beschlossen. Wichtig sind hierbei die örtlichen Gegebenheiten wie Bodenzustand, Witterung, Zustand des Ausgangsbestandes und Lage der Fläche.

Zwei interessante Baumarten, die eine Abwechslung zu den üblichen Verdächtigen Eiche, Douglasie, Lärche und Fichte im Aufforstungsgeschehen bilden, möchte ich im Folgenden vorstellen:

DIE WEIßTANNE (Abies alba)

Diese immergrüne Schönheit aus den fernen Alpen und anderen Mittelgebirgen, gilt für viele Forstleute als Hoffnungsträgerin im allgegenwärtigen Klimawandel. Sie kann bis zu 600 Jahre alt und bis zu 55 Metern hoch werden.
Wer nun aufgrund der im Gedächtnis bleibenden Bilder von Kalamitätsflächen, wie abgeräumten Fichtenmonokulturen und Sturmwürfen, skeptisch auf Nadelhölzer blickt, der lässt sich durch diese Eigenschaften der Weißtanne sicherlich überzeugen:

Sie verträgt Trockenheit und Sturm besser, als die allgegenwärtige Fichte und ist winterfrosthart.
Da ihre Wurzel bis zu 1,60m tief in den Boden hineinwächst, ist sie die am besten verwurzelte Nadelholzart und kommt so auch auf unterschiedlichen Böden gut an Wasser und Nährstoffe heran. Im Gegensatz zur Borkenkäfer-geplagten Fichte, kann der Tanne wenig etwas anhaben - zumindest was Schädlinge betrifft. Ja, auch an der Tanne leben Borkenkäfer (z.B. der Krummzähnige Tannenborkenkäfer), das Schädigungsrisiko reicht jedoch in keiner Weise an das der Fichte heran.
Für alle Weihnachtsfans ist die Weißtanne ein wunderbarer Weihnachtsbaum, der den Staubsauger schont: sie behält ihre Nadeln viel länger als z.B. die Fichte.

Leider überzeugt die Weißtanne nicht nur Forstleute mit ihren Argumenten, sondern auch das ein oder andere Wildtier. Vor allem die jungen Triebe gelten als Leckerbissen, sind leicht verdaulich und nährstoffreich. Eine Zäunung oder Einzelschutz sind also notwendig, um die Weißtanne unbeschadet groß werden zu lassen. Wie genau die Pflanzung der Weißtanne aussehen kann, um beispielsweise die hohen Zaunkosten zu umgehen, seht ihr im Video.
Auch Spätfröste im Frühjahr und der Hallimaschpilz können für die Weißtanne zum Problem werden. Nach milden Wintern tritt auf unbeschatteten Jungpflanzen teilweise die Tannentrieblaus auf.

Doch Tanne ist nicht gleich Tanne! Denn die Tannenherkünfte unterscheiden sich im Gegensatz zu anderen Baumarten teilweise stark in ihrer genetischen Ausstattung und damit in ihrer Anpassungsfähigkeit. Sogar die jeweiligen Tannen auf der sonnigen und schattigen Seiten ein und desselben Hangs, können genetisch unterschiedliche Gesellen sein. Die genetische Diversität ist also groß, was die Anpassung an sich schnell ändernde Bedingungen einfacher macht. Der Klimawandel lässt grüßen.
Was die einzelne Tanne braucht, hängt also von ihrem Herkunftsgebiet ab. Solange dieser Faktor ausreichend beachtet wird, kann die Tanne hohe Zuwächse und Vitalität erreichen.

Und möchte man die mächtige Tanne dann fällen (sie kann bis ins hohe Alter von 130 Jahren noch beachtlich an Masse zulegen), kann ihr Holz mannigfaltig verwendet werden. Es ist tragfähig, flexibel, gut spaltbar und lässt sich gut imprägnieren. Unter Wasser und im Erdreich ist es sehr lange haltbar und kann für den Innenausbau sowie für die Musikalischen unter uns zum Instrumentenbau genutzt werden. Kein Wunder, dass die Tanne sich im Wasser wohl fühlt, da sie selbst einen Nasskern besitzt und das Holz deshalb länger zum Trocknen braucht.
Die Holzerlöse reichen zwar noch nicht ganz an die der Fichte heran (ca. 10% weniger), wenn das Holz jedoch zum richtigen Marktzeitpunkt genutzt wird, der Vorteil ist hier, dass der Nutzungszeitpunkt nicht wie bei der Fichte häufig von Kalamitäten vorgeschrieben wird, gleicht sich diese Differenz an.

Durch ihre Schattentoleranz und damit als ideale Baumart für den Voranbau, könnte die Weißtanne in Zukunft vor allem in Bergmischwäldern glänzen.
Das altdeutsche Wort „tanna“ bedeutet übrigens nichts anderes als „Wald“ - welche Baumart wäre daher also besser geeignet den zukünftig angestrebten mehrstufigen Mischwald mitzugestalten, als die Tanne!

DIE SCHWARZNUSS (Juglans nigra)

Diese wertvolle Ost-Amerikanerin, welche auch oft in Auwäldern vorkommt, überzeugt vor allem durch ihre gute Wuchsleistung, ein BHD von 60cm innerhalb von 70 Jahren ist keine Seltenheit, und Frosthärte. Temperaturen bis -40°C stellen kein Problem für sie da, nur Spätfrost gegenüber ist sie empfindlich.

Aufgrund ihrer Ansprüche an die Bodenqualität (gut versorgt, tiefgründig) gilt sie oft als Diva unter den Laubbaumarten.
Pflegt und hegt man sie jedoch richtig, besitzt sie Qualitäten, eine der Baumarten zu sein, die sich auch den mit dem Klimawandel einhergehenden sich häufenden Extremwetterereignissen anpassen können. Denn: durch ihre tiefe Pfahlwurzel ist die Schwarznuss sturmfest und schützt durch ihre Stabilität, z.B. als Randbaum eingesetzt, auch den restlichen Bestand vor Windwurf.
Sie erträgt kurzfristige Überschwemmungen sowie Trockenheit und niedrige Temperaturen als auch zeitweilige Hitze. Durch ihre Schnellwüchsigkeit bindet sie zusätzlich zügig viel CO2.
Durch diese Vielfältigkeit deckt sie auch jetzt schon ein breites Standortspektrum ab, bei passenden Bodenzuständen versteht sich.
Die tendenziell zunehmenden Durchschnittstemperaturen und milderen Winter spielen der Schwarznuss dabei ebenfalls in die Karten.

Widerstandsfähig zeigt sie sich vor allem gegen Pilze, Bakterien und andere Schädlinge, auch das Wild hat andere Leibgerichte. Nur vor Fegeschäden sollte sie durch Holzpfähle geschützt werden, ein teurer Zaunbau ist bei dieser Baumart nicht notwendig. Auch Gräser sollten im Bereich der jungen Pflanzen zurückgeschnitten werden.

So kann die Schwarznuss optimal gedeihen:
Als ausgesprochene Lichtbaumart benötigt sie weite Pflanzabstände und somit eine geringe Ausgangsbaumzahl. Konkret ca. 650 Pflanzen/ha mit Reihenabständen von 4-5m. Auch weitere Abstände von 6-12m sind möglich, dann werden jedoch Treibhölzer wie Weide, Haselnuss, Hainbuche und Erle benötigt. Die Verjüngungsleistung der Baumart ist gut.
Eine rechtzeitige und intensive Pflege ist unerlässlich, um den Kronenausbau frühzeitig zu fördern, da die Schwarznuss anfällig für Seitendruck ist. Zur natürlichen Astreinigung und Kronenentwicklung muss ein feinfühliges Spiel mit Dichtstand und früher, konsequenter Freistellung der Z-Bäume erfolgen, ergänzt durch Ästung. Werden diese Faktoren beachtet, kann die Schwarznuss eine gute Mischbaumart sein. Große monokulturelle Bestände bildet sie nicht, doch diese erfüllen auch nicht die Ziele eines klimaangepassten Waldbaus.

Da die Schwarznuss noch nicht dem Forstlichen Vermehrungsgutgesetz unterliegt, sollte darauf geachtet werden, gute Herkünfte wie zum Beispiel aus der Rhein-Gegend (Breisach, Colmar, Straßburg, Bensheim) zu verwenden.

Wird der Anbau richtig betrieben, hat das einen kleinen feinen Nebeneffekt: mit der Schwarznuss lassen sich hohe Erlöse erzielen, welches die Forstwirtschaft erfreut.
Das schwere, harte Holz weist trotzdem eine gute Elastizität auf und ist gut bearbeitbar. Eingesetzt wird es bevorzugt für Deckfurniere, als Möbelholz oder Parkett. Das Holz kann sich sehen lassen!

Am Rande sollten außerdem die immer beliebter werdenden Nuss-Hybridsorten erwähnt werden.„Juglans intermedia“ beispielsweise ist ein Hybrid aus Schwarznuss und Walnuss (Juglans regia). Auch diese Sorte erzielt gut Erträge und vereint zusätzlich geringere Spätfrostgefährdung und geringere Windbruchgefährdung in sich. Diese Sorte ist ebenfalls wenig anfällig für Pilze und Bakterien und entwickelt ein hohes Jugendwachstum.

Eine Diva ist die Schwarznuss bei Weitem nicht - jedoch eine Baumart die Feingefühl und Aufmerksamkeit benötigt. Als wunderbare Ergänzung für einen angepassten Klimawald und als Wertanlage gibt sie jedoch auch einiges zurück.

Autorin: Lena Bauer