Brandheiß

Es ist ein herrlicher Nachmittag. Ferdi und Frederike haben sich den ganzen Tag in der Sonne gebadet, das kühle Wasser genossen, Eis am Stiel gegessen und die Enten auf ihrem Lieblingsee, der mitten im Wald liegt, beobachtet. Zum Abschluss des herrlichen Tages darf ein kleines Lagerfeuer natürlich nicht fehlen. Also tragen die beiden ein paar Zweige zusammen und entfachen im einsetzenden Abendrot ein gemütliches Feuer direkt neben ihrer Pickinickdecke. Nach einiger Zeit merkt Ferdi, wie müde er ist und möchte nach Hause, das Feuer ist jedoch noch nicht ganz heruntergebrannt.
„Es geht doch gerade gar kein Wind und da hinten hängen schon dunkle Wolken, gleich regnet es hier sowieso!“, sagt Ferdi gelassen und so fahren die beiden los.
Als es dunkel ist, kommt ein frischer Wind auf und weht die gerade noch schwelende Glut in den angrenzenden Kiefernwald. Dieser ächzt schon seit Wochen unter der anhaltenden Hitze und dem Wassermangel. Inmitten der Kiefern stehen noch einige Fichten mit traurig hängenden rötlichen Nadeln, hier hat der Borkenkäfer sich gütlich getan. Am Rand des Bestandes stehen einige ausgebleichte Büschel Gras. In dieses Waldbild fliegt der kleine Funke hinein, innerhalb von Minuten entsteht ein kleines Bodenfeuer, welches immer höher züngelt und schon bald auf die umliegenden Stämme und Kronen übergreift.
Das Eichhörnchen Rudi Rotschopf erwacht mit dem Geruch von Rauch in seiner Nase und blickt besorgt aus seinem Kobel. Er sieht die grellen Flammen flackern und den Rauch wabern und flieht. Mit ihm viele andere Waldtiere. Die Bäume jedoch stehen fest an Ort und Stelle und geraten einer nach dem anderen in Brand.

Brandaktuell

Diese Geschichte klingt wie aus einem Lehrfilm über Brandvorbeugung. Während ihr sie gelesen habt, ist euch vielleicht einige Male das Worte „unvernfünftig“ oder „gefährlich“ durch den Kopf geschossen. Leider ist sie jedoch oftmals Relalität.
Im Monat Juli befinden wir uns mitten in der Waldbrandsaison, die von März bis September jeden Jahres andauert. Traurigerweise entstehen die meisten Waldbrände, deren Ursachen bekannt sind, durch menschliches Verschulden, viele sogar mit Vorsatz (dazu gehört natürlich auch Brandrodung, z.B. im Regenwald). Fahrlässiger Umgang mit Feuer, Zigaretten, heißen Autos und Katalysatoren, vergessene gefüllte Glasflaschen oder absichtliche Brandstiftung führen zu Bränden. Nur 4% aller Waldbrände weltweit entstehen durch natürlich Ursachen.
Ein Waldbrand bedeutet Gefahr und Störung für Wald, Tier und Mensch, oftmals sogar mit tödlichem Ausgang. Die Voraussetzungen für Waldbrände haben in den Dürrejahren seit 2018 ein Maximum erreicht. Die Niederschlagsmengen bleiben niedrig, die Verteilung ungünstig, die Trockenheit nimmt zu und schädigt die Bäume, welche wiederum anfälliger für Schädlinge werden. Diese befallen die Bäume und lassen sie weiter austrocknen und absterben. Ein Teufelskreis.
In MV kommt erschwerend hinzu, dass 155.000 Hektar Landesfläche mit Kampfmitteln (Munition) belastet sind, welche sich selbst entzünden können. Dies erhöht nicht nur das Risiko für den Ausbruch eines Brandes, sondern erschwert auch dessen Bekämfung, da zu solchen Flächen ein Mindestabstand von 1km eingehalten werden muss.
Doch es gibt auch gute Nachrichten: 2020 wurden in MV nur 50 Waldbrände mit einer Gesamtbrandfläche von 6,18 Hektar gemeldet, 25 Brände weniger als in 2019 und nur 0,6% der Brandfläche desselben Jahres.
Interessant ist, dass Waldbrände an manchen Orten der Welt zur natürlich Regeneration gehören und somit auch den Startpunkt für neues Leben bilden können. Verbrannter Boden schafft bespielsweise Platz für anspruchslosere Pionierbaumarten und Naturverjüngung, da die Asche aus verbrannter Kraut- und Strauchschicht Nährstoffe enthält und Platz und Licht entstehen.
Störungen wie Waldbrände gehören also auch zum natürlichen Zyklus dazu und können positiv sein. Mammutbäume lassen ihre Samen gar erst nach einem Waldbrand fallen, da die Wachstumsbedingungen für die Jungpflanzen dann optimal sind. Auch im borealen Nadelwald gehören periodische Waldbrände zur natürlichen Dynamik. Die größte Zahl von Waldbränd

Angebrannt

Die Entstehung von Waldbränden wird durch warme und trockene Witterung, eine Luftfeuchtigkeit unter 40% und Windstärken über 5 begünstigt. Weitere Faktoren sind das Brennmaterial und die Tageszeit, am frühen Nachmittag ist es am wärmsten. Die kritische Zeit ist vor allem von März bis April, die Vorhjahresvegetation kann nach längerer Trockenheit und kalten Wintern leicht entzündlich sein, Reisig und Obstbaumschnitt werden zu dieser Zeit verbrannt. Im Mai und Juni ist die Gefahr durch das Ergrünen der Bodenvegetation geringer worauf eine weitere brisante Phase von Juli bis August folgt. Hier können hohe Temperaturen und Trockenheit für Zündstoff sorgen, die Bodenvegetation ist wieder trockener, die Getreideernte steht an und es kommt häufiger zu Selbstentzündung von Munition.
Man unterscheidet zwischen Bodenfeuer (kleiner und häufiger) und Vollfeuer (auch Kronen- oder Wipfelfeuer), welches aus kraftvollen Bodenfeuern entstehen kann. Dieses klettert dann über „Feuerleitern“ wie tiefhängende Äste am Baum nach oben.
Des Weiteren gibt es Moorbrände und Stammbrände (trockene Einzelstämme brennen meist durch Blitzschlag). Große, alles verschlingende Flammenwände und Buschbrämde, wie man sie z.B. aus Australien kennt, sind in Deutschland sehr unwahrscheinlich.

Löschkraft

So viel Wald – fällt ein kleiner Brand da überhaupt auf? In Deutschland wird zur Früherkennung von Waldbränden seit 2002 das automatisierte Raucherkennungssystem „FireWatch“ eingesetzt. Die so gesammelten Daten werden an die jeweilige Waldbrandzentrale übertragen, im Bereich des Forstamtes Stavenhagen ist das das Forstamt Neubrandenburg. Doch auch die Förster*innen und Waldbesitzer*innen haben in der Waldbrandsaison ein waches Auge auf ihren Wald. Und auch ihr könnt helfen, indem ihr jeden Brand, sei er auch noch so klein, der Feuerwehr und/oder dem zuständigen Forstamt meldet. Ohne euch dabei selbst in Gefahr zu bringen versteht sich.
Brennt es erst einmal im Wald, kommen Löschfahrzeuge oder Löschflugzeuge zum Einsatz. Kleine Feuer können auch mithilfe von Spaten ausgeklopft werden. In gefährdeten Wäldern werden oft Wasservorräte angelegt, in anderen sind die Löschwasserseen oftmals weit entfernt oder schlecht erreichbar. Es werden auch Löschschaum oder Sand verwendet.
Wichtig ist es, das Bodenfeuer zu löschen, da es zumindest bei gesunden Bäumen eine Weile dauert, bis sie anfangen zu brennen. Hierzu können Brandschneisen geschlagen werden, also akute Wundstreifen (Waldbrandschutzstreifen), die eine Ausbreitung des Feuers verhindern sollen.

Brandschutz

Zur Vorbeugung von Waldbränden gibt es verschiedene Methoden. Sehr wichtig ist die Aufklärung der Bevölkerung, dies geschieht z.B. durch Warnschilder, Websites und angebrachte Drehscheiben, welche die Waldbrandstufe anzeigen. In MV gibt es fünf Waldbrandgefahrenstufen, welche jeden Tag über die Forstämter ausgerufen werden. Sie setzt sich zusammen aus den Daten des Deutschen Wetterdienstes und regionalen Waldgefährdungsstufen. Für jede Stufe gelten besondere Maßnahmen für die Waldbesitzer*innen und verschiedene Bereitschaftsdienste für die Forstbehörde:
1: sehr geringe Gefahr
2: geringe Gefahr (Bereitschaftsdienst untere Forstbehörde, Informationen im Internet)
3: mittlere Gefahr
4: hohe Gefahr (keine Ausnahmeregelungen zu Feuer machen im Wald mehr, Rufbereitschaft LM, verstärkte Information und Vernetzung, Wald kann abgesperrt werden)
5: sehr hohe Gefahr

Im Wald selber können Waldbrandstreifen angelegt werden, welche einige Meter breit sind und von jeglichem brennbaren Material befreit werden, so wird eine großflächige Ausbreitung von Feuern verhindert. Waldbrandriegel haben eine ähnliche Funktion, sie bestehen aus Laubhölzern, welche viel mehr Feuchtigkeit enthalten als Nadelhölzer und Feuer somit besser eindämmen. Ein gesunder Mischwald ist also auch in Bezug auf die Brandgefahr von großem Vorteil.
Ihr seht: solange der Mensch sich vernünftig und vorsichtig im Umgang mit Feuer im Wald verhält, kann das Risiko eines Waldbrandes geringgehalten werden.

Gut zu wissen: Feuer machen ist im Wald außerhalb von gekennzeichneten Feuerstellen oder ohne Genehmigung nie erlaubt, auch nicht außerhalb der Waldbrandsaison.
Auch interessant: das Projekt „Pyrophob“ wurde von der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde initiiert und untersucht, wie und unter welchen Bedingungen Wälder „feuerabweisend“ und allgemein beständiger gegen Hitze und Trockenheit werden können. Auf den Versuchsflächen in Brandenburg, welche allesamt ehemalige Brandflächen sind, wurden unterschiedliche Behandlungen durchgeführt oder die Flächen stillgelegt und nun über die kommenden Jahre deren Entwicklung beobachtet. Schaut doch mal rein!

Autorin: Lena Bauer