Ein Jahr als Anwärter

Julian Heinrich berichtet von seinen Erfahrungen

Der letzte von 7 intensiv vorbereiteten Prüfungstagen ist erst 2 Tage her und mein Körper muss das Adrenalin der letzten Wochen noch abbauen. Doch nun ist es geschafft - Bestanden!
Vor genau einem Jahr hatte unsere Einführungsveranstaltung in Loppin stattgefunden, an demselben Tag wie die Zeugnisübergabe für die Absolventen des vorangegangenen Ausbildungsjahres, so dass ein kurzes Kennenlernen möglich war. Geschafft, dachten die einen. Jetzt geht es los, dachten die 11 Forstinspektoranwärter (kurz FIA) nach ihrer Ernennung als „Beamte auf Widerruf“ für das Ausbildungsjahr 2022/23 und ich war einer von ihnen.
Ausgestattet mit Dienstlaptop und -handy ging es an die Einrichtung von Email-Konten und digitalen Zugängen. Über einen Token war der Zugriff auf alle internen Dokumente der Landesforst M-V möglich. Gesetze, Verordnungen, Dienstanweisungen - sehr viel Neues! Aber keine Sorge, die Ausbilder achten darauf, dass alle wichtigen Dokumente vermittelt und die wesentlichen Inhalte hervorgehoben werden. So waren wir im ersten Ausbildungsabschnitt über insgesamt 8 Wochen in der Zentrale, dem Betriebsteil oder in der Forsteinrichtung unterwegs, um die theoretischen Grundlagen für den gehobenen Dienst zu erlernen und Einblicke in alle Fach- bzw. Sachgebieten zu erhalten. Im Rahmen der Ausbildung bot sich hier u. a. die Möglichkeit, die Forsteinrichtung für eine Abteilung zu üben. Während der mehrtätiger bis mehrwöchiger Ausbildungseinheiten in den Schulungsstätten Dümmer oder Loppin war dank der Mitarbeitenden für unsere Unterkunft und Verpflegung bestens gesorgt. In dieser gemeinsamen Zeit entwickelte sich zudem eine konstruktive FIA-Gruppendynamik, zu welcher auch einige vierbeinige Begleiter gehörten.
Ab Ende November begann für mich die praktische Ausbildung im Forstamt Stavenhagen, wo ich unweit von meinem Heimatort in verschiedenen Revieren tätig sein durfte und von den jeweiligen Revierleitern in die entsprechenden praktischen Tätigkeitsbereiche (wie z. B. Auszeichnen, Holzernte, Waldarbeiter- und Maschineneinsatz, Jagd, Waldpädagogik, etc.) eingeführt wurde.
Die Thementage von März bis Juni führten uns wieder als Gruppe quer durch M-V und durch Themenbereiche wie Forsthoheit, Betriebswirtschaft, Waldbewirtschaftung, Waldschutz etc. Sie boten die notwendigen Einblicke in andere landesforstspezifische Gegebenheiten, wie z. B. Baumarten und deren Bewirtschaftung. Zudem gaben sie jedem FIA die Gelegenheit, seine eigene Tätigkeit im Ausbildungsforstamt vorzustellen und gewonnene Erfahrungen auszutauschen. Um alle Ausbildungsschritte erfolgreich zu absolvieren, ist eine gute Kommunikation und Vernetzung untereinander unerlässlich.
Ein Sahnehäubchen der Ausbildung war die 4-wöchige Reisezeit im Mai, welche durch die FIAs selbst geplant und überwiegend gemeinschaftlich umgesetzt wurde. So ging es durch die Forstämter oder Verwaltungen anderer Bundesländer (wie z. B. Schleswig-Holstein, Brandenburg, Bayern) sowie in den Forstbezirk Woziwoda (Polen), um so einen weiteren Blick über den Tellerrand mitzunehmen. Im Rahmen eines Reisezeitberichtes sollten die gewonnenen Erkenntnisse mit der Herangehensweise mit der Landesforst M-V verglichen werden. Beim Schreiben meiner Forstamtsarbeit, die bis Mitte Juni abzugeben war, fühlte ich mich noch einmal an die schöne Zeit als Student beim wissenschaftlichen Arbeiten erinnert.
Spätesten bei den ersten Konsultationen im Juni und Juli wurde uns allen bewusst, wie schnell die im September bevorstehende Prüfungszeit näher rückte. Zahlreiche Dokumente warteten darauf, noch intensiver durchgearbeitet und auswendig gelernt zu werden, um in den schriftlichen oder mündlichen Prüfungen parat zu sein. Das Jahr war sehr wertvoll und auch notwendig, um Handlungskompetenzen als Sachbearbeiter oder Revierleiter zu erlernen bzw. zu wissen, wo alles steht.
Aber nun tut es erst einmal gut zu wissen, dass alle 11 FIAs bestanden haben und auf Wunsch von der Landesforst M-V übernommen werden. Ich darf auf Grund meiner mehrjährigen forstlichen Arbeitserfahrung ein eigenes Revier direkt im FoA Stavenhagen übernehmen.
Danke an alle, die mich auf diesem Weg begleitet und unterstützt haben!
Autor: Julian Heinrich