Forschung in Naturwaldreservaten

Naturwaldreservate in Mecklenburg-Vorpommern als Versuchs- und Forschungsflächen für ungestört ablaufende Waldentwicklungsprozesse
Ziel der Naturwaldforschung in Mecklenburg-Vorpommern ist die Etablierung, Sicherung und wissenschaftliche Dauerbeobachtung eines Gebietssystems von Naturwaldreservaten (NWR). Diese besonderen forstlichen Versuchsflächen werden zum Schutz und zur Erforschung der natürlicherweise ablaufenden Waldentwicklungsprozesse angelegt und unterhalten. Dazu werden sie dauerhaft der Bewirtschaftung entzogen und – soweit möglich – auch gegenüber jeglicher weiterer Form menschlicher Einflussnahme geschützt. Im Umfeld der NWR werden, soweit es die örtlichen Gegebenheiten zulassen, nach Standort und Bestockung ähnliche, so genannte Naturwaldvergleichsflächen (NWV) ausgewiesen. Diese weiterhin bewirtschafteten und ebenfalls unter wissenschaftliche Dauerbeobachtung gestellten Wälder dienen als Referenzflächen für reguläre forstliche Behandlung dem unmittelbaren Vergleich mit den NWR, mit denen sie zusammen eine Untersuchungseinheit bilden.
Mit dem Schutz eines naturräumlich repräsentativ verteilten NWR-Gebietssystems in Mecklenburg-Vorpommern wird ein wichtiger Beitrag der Nachhaltigkeitsverpflichtung der Forstverwaltung gegenüber der Gesellschaft umgesetzt und deren besondere Kompetenz im Bereich des Waldnaturschutzes dokumentiert. Darüber hinaus erfolgt hiermit die wissenschaftliche, bundesweit vereinheitlicht vorgenommene Dauerbeobachtung sehr wertvoller Referenzflächen für unbeeinflusst ablaufende Waldentwicklungsprozesse. Dabei werden Datenreihen aufgebaut, deren Wert mit der Dauer ihrer Wiederholung steigt und deren Auswertung wichtige, auf anderem Wege nicht erzielbare Ergebnisse für Forstwirtschaft, Naturschutz und Landschaftsplanung erbringt. NWR sind wertvolle Anschauungsobjekte für das Wirken natürlicher Walddynamik, Monitoringflächen für die Dokumentation großräumiger Umweltveränderungen (Klimawandel) und dienen der Ableitung von Empfehlungen zur Harmonisierung forstlicher Maßnahmen in Wirtschaftswäldern mit Aspekten des Schutzes der Biologischen Vielfalt unserer bedeutendsten Landlebensräume.
Mit der „Einrichtung und Betreuung von Naturwaldreservaten“ wurde die Landesforstverwaltung MV bereits im Dezember 1995 durch das im Ministerkabinett verabschiedete Konzept „Naturnahe Forstwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern“ beauftragt. Die Umsetzung erfolgte seit 1996 durch das Forstliche Versuchswesen. Die Ausrichtung dieses wissenschaftlichen Daueruntersuchungsprogramms erfolgt nach bundesweit abgestimmten Grundsätzen. Damit werden in Mecklenburg-Vorpommern die Beschlüsse der Ministerkonferenz zum Schutz der Wälder in Europa (MCPFE), insbesondere wesentliche Inhalte der Helsinki-Resolution H2 von 1993, umgesetzt.
Das Gebietssystem der NWR in Mecklenburg-Vorpommern umfasst momentan etwa 1.550 Hektar Wald. Das entspricht 36 Flächen die relativ gleichmäßig über die bedeutenden Naturräume des Landes verteilt sind. Hier dominieren mittlere und artenreiche Buchenwald-Gesellschaften. Die Gebiete haben eine Flächengröße von durchschnittlich 43 Hektar und sind zumeist in größere Schutzgebiete verschiedener Kategorien eingebettet. So beteiligen sich auch die Nationalparke in Mecklenburg-Vorpommern mit sieben Waldmonitoring-Flächen, verteilt über etwa 300 Hektar, am Naturwald-Programm der Landesforstverwaltung.
Ein größerer Teil der Naturwaldreservate ist erst in den vergangenen 15 Jahren ausgewiesen worden und wurde zuvor bewirtschaftet. Gebiete mit langjährig ungestörter Sukzession sind selten. Die heute noch bestehenden Lücken im landesweiten Gebietssystem sollen in den kommenden Jahren geschlossen werden, um letztendlich auf etwa einem Prozent der Landeswaldfläche Naturwaldreservate zu etablieren. Dabei wird angestrebt, sich einer mittleren Flächengröße von 50 Hektar anzunähern.
Das wissenschaftliche Monitoring der Dynamik der Waldstruktur in den Reservaten erfolgt grundsätzlich mit Hilfe eines Netzes dauerhaft markierter, 1000 Quadratmeter großer Probekreise. Die Aufnahmearbeiten werden im zehnjährigen Turnus wiederholt. Ergänzend dazu werden in einigen Gebieten hektargroße, so genannte Naturwald-Referenzflächen untersucht. Darüber hinaus ist die Dauerbeobachtung xylobionter, so genannter Holz-Käfer fester Bestandteil des Naturwald-Programms. Die Bearbeitung weiterer, aktueller Fragestellungen erfolgt über Forschungsprojekte, Vertragsforschung und zum Teil auch über Diplom- und Belegarbeiten.
